Projekt des Monats Juni: Teilhabe von Anfang an

Das Projekt unterstützt Kinder, die Schwierigkeiten bei der verbalen Kommunikation haben. Mithilfe von sogenannten Talkern lernen sie, sich digital auszudrücken.

Wer wir sind?

Wir sind die Interdisziplinäre Frühförderung Mönchengladbach mit den Fachbereichen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und heilpädagogische Förderung und gehören zum Verein Menschen im Zentrum e.V. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Interessen von Menschen mit Behinderung umfassend zu unterstützen. Unsere Angebote sollen ihnen die Teilhabe am Leben erleichtern und ein partnerschaftliches Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung fördern.

Was wir vorhaben?

Bildschirm eines Talkers mit Symbolen aus verschiedenen Kontexten. Eine Kinderhand zeigt auf "Haus"
Copyright: MIZ; Kinderhand mit KI integriert
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Wir wollen die Teilhabe von Kindern mit Behinderungen und Entwicklungsbesonderheiten in der Kita, ihrer Familie und ihrem Umfeld verbessern, indem wir kommunikativen Austausch ermöglichen. Dazu beziehen wir auch die Eltern ein, beraten sie und unterstützen sie digital. 

Häufig besteht ein Zusammenhang zwischen herausforderndem Verhalten und Problemen in der Kommunikation. Kinder, die es aufgrund von Behinderung und Entwicklungsbesonderheiten nicht schaffen, Bedürfnisse und Wünsche zu äußern und häufig missverstanden werden, reagieren hierauf mit sozialem Rückzug und/oder herausforderndem Verhalten. Hier setzt unser Projekt an. Wir möchten innerhalb der Kitas und des pädagogischen Personals eine Offenheit für digitale Kommunikationshilfsmittel erreichen und Hemmschwellen gegenüber einem vermeintlich „komplizierten“ technischen Gerät abbauen. 

Unser Projekt soll zeigen, wie Kommunikation durch sogenannte „Talker“ leichter gelingt. Dabei drückt das Kind auf Symbole auf einem Tablet und das Tablet „spricht“ für das Kind. Talker gibt es je nach Fähigkeit des Kindes in unterschiedlich differenzierten Varianten. Das Kind und sein Umfeld probieren also aus, digital zu kommunizieren statt verbal. Für die Kinder ist das oft eine Möglichkeit, überhaupt erst einmal in Interaktion zu treten und so Selbstwirksamkeit zu erleben. Der Mehrwert – z. B. mehr Zufriedenheit des Kindes und weniger herausforderndes Verhalten – soll Barrieren abbauen.

Auch bei den Eltern der Zielgruppe soll durch unser Projekt ein Lernprozess angestoßen werden. Viele Eltern berichten, dass sie ihr nicht oder kaum sprechendes Kind verstehen. Sie sorgen sich, dass ein Talker die verbale Sprachentwicklung ihres Kindes hemmen könnte. Studien widerlegen diese Sorge inzwischen. Ausgeliehene Talker zeigen ihnen, dass ihr Kind sich damit stärker verbal äußert, zufriedener ist und auch von außenstehenden Personen besser verstanden wird.

Wer profitiert?

Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren, die nicht oder weniger als 50 Wörter sprechen und/oder sehr schwer verständlich sprechen, sowie ihr Umfeld (Familie, Kita und Schule). Zum Beispiel Leon:  Der Fünfjährige konnte bisher weniger als 50 Wörter sprechen. Die gesprochenen Wörter waren für andere kaum verständlich. Dies führte zu herausforderndem Verhalten, da Leon seine Wünsche und Bedürfnisse nicht verbal, sondern über Verhalten ausdrückte. Das wiederum führte zu vielen Konflikten im Alltag. Durch den Talker, der seine Kommunikation unterstützt, kann Leon sich mittlerweile umfassender ausdrücken und sein Verhalten hat sich positiv verändert. Seine Eltern berichten, Leon viel besser zu verstehen und ihm dadurch mehr Lernangebote als Vorbereitung auf die Schule ermöglichen zu können. Sie sind sehr froh, dass Leon durch das Projekt als eins von zehn Kindern die Möglichkeit hat, mit eigenem Talker 2026 eingeschult zu werden.

Was passiert im Moment?

Wir versorgen Kinder und Familien mit Talkern als Leihgeräte zur unterstützten Kommunikation, erklären die Handhabung und begleiten die Beantragung eines eigenen digitalen Hilfsmittels. Viele Eltern haben sich dann entschieden, ein eigenes Gerät zu beantragen. 

Aktuell bereiten wir einen Elternworkshop in Präsenz sowie in digitaler Form vor. Dieser bietet den Eltern die Möglichkeit sich untereinander zu vernetzen und Fragen zur Nutzung zu stellen. Sie können sich über erlebte Erfolge aber auch bestehende Barrieren austauschen und werden durch die ausgebildeten Fachkräfte direkt unterstützt.

Unsere Learnings bis hierher / Das hat uns überrascht:

Wir sind auf großes Interesse seitens der Familien und Kitas gestoßen, was uns sehr positiv überrascht hat. Im Rahmen der Netzwerkarbeit mit der Stadt Mönchengladbach entstand im Projektverlauf zudem die Initiative, Mitarbeitende in Kindertageseinrichtungen gezielt im Bereich der unterstützten Kommunikation zu schulen. Dies stärkt die Anwendung im Kita-Alltag und trägt zur nachhaltigen Verankerung des Themas bei.

Auch aus den Familien erhalten wir positive Rückmeldungen. Viele Eltern berichten, wie entlastend es ist, ihr Kind besser zu verstehen. Gleichzeitig beobachten sie, dass Frustration und herausforderndes Verhalten deutlich abnehmen, da sich die Kinder nun verständlicher mitteilen können.

Wir bieten/suchen:

An Erfahrung bieten wir: Wir bieten Expertise zur Kommunikations- und Sprachentwicklung im Elementarbereich sowie zu Unterstützter Kommunikation (inklusive Versorgung mit Kommunikationshilfsmitteln). Darüber hinaus unterstützen wir bei der Aufbereitung dieser Informationen für Familien und Fachpersonal auf digitalem, niedrigschwelligem Niveau (z. B. über TaskCards).

Im Netzwerk suchen wir: Andere Projekte mit Erfahrungen zur Zielgruppe und Projekte zum Thema Versorgung mit digitalen Geräten zur Unterstützung der Kommunikation im Elementarbereich.