Projekt des Monats Juli: Ich bin real! – Reality Checkers

Junge Frauen aus einer Wohngruppe haben kleine Einheiten produziert, die auch anderen helfen. Sie beschäftigen sich unter anderem mit digitalen Selbstbildern, Fakes und Influencing.

Wer wir sind?

Wir sind das CJD IfW NRW. Als staatlich anerkannte Einrichtung der Weiterbildung bieten wir Weiterbildungen und Qualifizierungen für Mitarbeitende in der Sozialwirtschaft an und begleiten Teams und Einrichtungen bei Entwicklungsprozessen. Digitalisierung ist für uns ein Weg zu mehr Teilhabe, Beziehung und professioneller Handlungssicherheit. Sie soll Menschen näher zusammenbringen: durch Wissen, Praxis, Reflexion und Werkzeuge, die im Alltag wirklich helfen.

Was wir vorhaben?

Mit „Ich bin real! – Reality Checkers“ haben junge Frauen aus einer Wohngruppe in Herten digitale Selbstbilder, Social Media, Influencing, Fakes, Manipulation und Selbstzweifel aus ihrer eigenen Lebenswelt heraus bearbeitet. Entstanden sind kurze, direkt nutzbare Mikroeinheiten: Videos, Podcasts, kleine Spiele, Reflexionsimpulse und Hilfsangebote. Wichtig war den jungen Frauen dabei von Anfang an, dass andere mit diesen Einheiten weiterarbeiten können – nicht nur in ihrer eigenen Gruppe, sondern auch in anderen Einrichtungen, Schulen, Wohngruppen, Berufsbildungswerken oder Berufsschulen. Sie haben deshalb auch einen Kurs für pädagogische Fachkräfte entwickelt. Fachkräfte können sich dort selbst zu Reality Checkern ausbilden lassen, die Perspektiven junger Menschen besser verstehen und das Material in ihrer eigenen Praxis einsetzen.

Jugendliche schauen aufs Handy
Copyright: iStockfoto.com/miljko

Wer profitiert?

Reality Checkers richtet sich besonders an junge Frauen, die Social Media täglich nutzen und dort mit Erwartungen, Vergleichen, Körperbildern, Unsicherheiten und digitaler Inszenierung konfrontiert werden. Das Projekt hilft in genau den Momenten, in denen pädagogische Gespräche entstehen: wenn jemand Selbstzweifel äußert, wenn über Influencerinnen und Influencer diskutiert wird, wenn Fakes oder Manipulation auftauchen oder wenn digitale Bilder plötzlich sehr real wirken. Pädagogische Fachkräfte profitieren ebenfalls. Sie erhalten kein abstraktes Medienkompetenzpaket, sondern einen Zugang, der aus echten Fragen junger Frauen entstanden ist. Dadurch können sie digitale Themen alltagsnah, beziehungsorientiert und stärkend aufgreifen.

Was passiert im Moment?

Der erste Projektabschnitt in Herten ist abgeschlossen – aber Reality Checkers geht in die nächste Runde. Aus dem Projekt ist ein Format entstanden, das wir im DigiLab des CJD IfW NRW und besonders im Innovationslabor zu einem übertragbaren Bildungsangebot weiterentwickeln. Aktuell arbeiten wir an einem Workshopformat, das auch andere Menschen zu Reality Checkern ausbildet und Einrichtungen befähigt, eigene Mikroeinheiten gemeinsam mit ihren Zielgruppen zu erstellen. Unser Ziel ist, dass Reality Checkers ein fester Bestandteil pädagogischer Arbeit wird – im CJD und darüber hinaus.

Unsere Learnings bis hierher / Uns hat überrascht:

Uns hat beeindruckt, wie klar die jungen Frauen benennen konnten, was Social Media mit Selbstbild, Beziehungen und Sicherheit macht. Sie hatten starke Ideen und ein feines Gespür dafür, welche Inhalte anderen wirklich helfen können. Gleichzeitig haben wir gelernt: Partizipation braucht Struktur. Gute Ideen entstehen schnell – ihre Umsetzung braucht Begleitung, Motivation, realistische Schritte und manchmal auch die Entscheidung, Dinge kleiner und konkreter zu denken. Unser wichtigstes Learning: Digitale Teilhabe entsteht nicht durch Belehrung. Sie entsteht, wenn Menschen ihre Erfahrungen ernst nehmen und erleben, dass sie ernst genommen werden, Wissen teilen und digitale Räume gemeinsam verstehbar machen.

Wir bieten/suchen:

An Erfahrung bieten wir: 
Wir qualifizieren Fachkräfte, begleiten Teams und entwickeln Bildungsangebote, die nicht an der Realität von Einrichtungen vorbeigehen. Mit dem DigiLab haben wir einen Raum geschaffen, in dem digitale Entwicklung konkret wird. Hier entstehen aus Ideen, Bedarfen und Praxiserfahrungen Formate, die Einrichtungen direkt nutzen und weiterentwickeln können. 

Im Netzwerk suchen wir:
Wir suchen Einrichtungen, die Reality Checkers in ihre pädagogische Arbeit integrieren möchten – innerhalb und außerhalb des CJD. Besonders interessant sind Orte, an denen junge Frauen begleitet, gestärkt und in ihrer Selbstwirksamkeit unterstützt werden.