SozialstiftungNRW unterstützt Projekt zur Weiterentwicklung vielfältiger Angebote und gelebter Vielfalt

Förderbescheid an Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen gGmbH übergeben

Menschen mit diskriminierungsfähigen Vielfaltsmerkmalen sind besonders häufig von digitaler wie analoger Ausgrenzung betroffen. Vielfaltsmerkmale können zu Unterrepräsentation und eingeschränkter Teilhabe führen. Das geförderte Projekt möchte das ändern und wird nun von der SozialstiftungNRW mit 699.300 Euro gefördert.

Pressemitteilung |

Das landesweit bislang einzigartige Projekt „VIDI – Vielfalt im Dialog“ der Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen gGmbH soll ein dauerhaft nutzbares, inklusives und übertragbares Modell, eine Diversity-Toolbox, entwickeln. Ziel ist es, Vielfalt dauerhaft in Strategien kommunaler Einrichtungen und freier Träger zu verankern, Fachkräfte der Sozialen Arbeit zu unterstützen und betroffenen Menschen mehr Sichtbarkeit und Mitbestimmung zu ermöglichen. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt über die gesamte Laufzeit von der Technischen Universität Dortmund. Der Stiftungsratsvorsitzende der SozialstiftungNRW, Marco Schmitz, übergab am Freitag in Recklinghausen den Förderbescheid.

 „Wir freuen uns, das Projekt mit 699.300 Euro zu fördern“, sagte Marco Schmitz bei der Übergabe des Förderbescheids. „Die gesellschaftliche Realität ist von wachsender Vielfalt geprägt – hinsichtlich kultureller Herkunft, religiöser Orientierung, geschlechtlicher Identität, sozialer Lebenslagen sowie kognitiver und körperlicher Fähigkeiten. Die Diversity-Toolbox macht Vielfalt sichtbar, messbar und dauerhaft in den Strukturen verankert – damit Teilhabe wirklich für alle gelingt. Mit dem Netzwerk der Vielfalt-Botschafterinnen und -Botschafter schaffen wir praxisnahe Perspektiven in echten Lebenswelten.“

 „Mit diesem Projekt ermöglichen wir Menschen, selbstbewusster und vernehmbarer Vielfalt darzustellen. Als Wohlfahrtsverband setzen wir damit einen gesellschaftspolitischen Akzent für eine vielfältige demokratische Gesellschaft. Die SozialstiftungNRW ermöglicht uns echte Innovation, die unsere alltägliche Arbeit verändern soll“, erklärte der Geschäftsführer der Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen gGmbH, Dr. Dietmar Kehlbreier. Als ‚TeilhabeUnternehmen‘ wollen wir ständig individuelle Empowermentprozesse von Menschen stärken und unsere Fachlichkeit und Unternehmensstruktur auf gesellschaftliche Vielfalt ausrichten – auch über die eigentliche Projektlaufzeit hinaus. Vielfalt ist für uns gesellschaftliche Wirklichkeit und Herausforderung zugleich.“

Menschen mit Vielfaltsmerkmalen werden zu Botschafterinnen und Botschaftern für Vielfalt geschult

„Besonders überzeugt hat uns, dass im gesamten Prozess sowohl Menschen mit Vielfaltsmerkmalen als auch Fachkräfte der Sozialen Arbeit und kommunale Akteure beteiligt sind“, betonte Marco Schmitz. „Hier wird ‚mit den‘ statt ‚für die‘ betroffenen Zielgruppen gearbeitet. Die Vernetzung der unterschiedlichen Zielgruppen wird in diesem Projekt aus unserer Sicht gelungen umgesetzt.“

An dem Vorhaben werden Menschen mit Vielfaltsmerkmalen beteiligt sein, zum Beispiel Menschen mit Behinderung, Migrationshintergrund, diverser sexueller Orientierung oder aus unterschiedlichen sozialen Lebenslagen. Sie entwickeln eigene Inhalte und Medienbeiträge und werden so zu aktiven Stimmen in der gesellschaftlichen Debatte über Vielfalt. Zur Entwicklung der Toolbox und der Vernetzung sind unter anderem Workshops, Beratungen und Pop-Up-Werkstätten geplant. Es sollen Problemlösungen erarbeitet und die Toolbox im Alltag erprobt werden.

Fokus auf Unterstützung für viele Menschen in Nordrhein-Westfalen

In Summe ist von über 200.000 Menschen im Kreisgebiet Recklinghausen und landesweit von circa fünf bis sieben Millionen Menschen auszugehen, die mindestens ein Vielfaltsmerkmal, häufig auch mehrfach überschneidend, im Sinne des Projekts aufweisen. Für sie fehlen niedrigschwellige, barrierefreie Räume, Instrumente und Unterstützungsstrukturen zur selbstbestimmten Teilhabe an öffentlichen Diskursen. Stattdessen erleben sie häufig Diskriminierung und gesellschaftliche Abwertung. Das Projekt kann auf kommunaler und landesbezogener Ebene eine relevante Lücke zwischen gesellschaftlichem Anspruch hinsichtlich Vielfalt, Inklusion, Teilhabe und praktischer Umsetzbarkeit schließen. Die Projektergebnisse sollen nach Ende der dreijährigen Laufzeit veröffentlicht und breit gestreut werden, um landesweit übertragbare Strukturen zu schaffen.

 

Zum Hintergrund:

Informationen zur SozialstiftungNRW: Die SozialstiftungNRW – mit gesetzlichem Namen Stiftung Wohlfahrtspflege NRW – ist eine Stiftung öffentlichen Rechts des Landes Nordrhein-Westfalen. 1974 als Sozialstiftung gegründet, erhält sie jährlich 24,5 Millionen Euro aus den Erlösen der Spielbanken in Nordrhein-Westfalen sowie rund 1,1 Millionen Euro aus den Lotterie- und Wetteinnahmen. Damit finanziert sie soziale Projekte der gemeinnützigen Träger der freien Wohlfahrtspflege und ermöglicht die Umsetzung innovativer Ideen. Bis heute hat sie rund 8.700 Vorhaben mit einer Fördersumme von einer Milliarde Euro unterstützt. Über die Auswahl der Projekte entscheidet der zehnköpfige Stiftungsrat. Er besteht zur Hälfte aus Parlamentariern, die vom nordrhein-westfälischen Landtag entsandt werden. Jeweils zwei Mitglieder stellen die Spitzenverbände in der Arbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege NRW sowie das Sozialministerium. Ein weiteres Mitglied stellt das Finanzministerium.

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