Sprachassistenzsysteme können Menschen mit Behinderung ein Stück Freiheit schenken. Das Josefsheim in Sundern erprobt die Assistive Technik seit anderthalb Jahren mit Erfolg. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Verbundvorhabens „Assistive Technik im Wohnen in der Eingliederungshilfe“.
Licht einschalten oder die Jalousie schließen – einfache Handgriffe, die für die meisten Menschen Routine sind. Für Simon Rose aber, der in einer Wohneinrichtung des Josefsheims in Sundern lebt, waren diese einfachen Tätigkeiten bislang ein Problem. Aufgrund seiner körperlichen Behinderung musste er dafür jedes Mal eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter rufen.
Das hat sich geändert, seit das Josefsheim in Sundern ein Sprachassistenzsystem für seine Bewohnerinnen und Bewohner eingeführt hat. Per Zuruf kann Simon Rose nun Licht und Jalousien betätigen. „Da bin ich selbständiger. Das ist ein gutes Gefühl“, freut er sich.
„Wir sehen, das Assistive Technik im Alltag für Menschen mit Behinderung eine Unterstützung und mehr Freiheit bedeutet,“ sagt Nadine Ortjohann, Leitung der Wohneinrichtung. Das Projekt sorgt für Aufmerksamkeit. Unter anderem berichtete die WDR-Lokalzeit darüber.
Sprachassistenz hilft auch beim Kochen oder Backen
In der Wohneinrichtung des Josefsheims leben 24 Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung in Wohngemeinschaften. Viele Tätigkeiten oder Informationen, für die sie früher Hilfe brauchten, können sie nun dank Sprachassistenz alleine bewältigen. So hilft das System zum Beispiel, einfache Gerichte zu kochen oder zu backen. Das funktioniert, da das Assistenzsystem über einen Bildschirm verfügt, der auf Rollen zum Beispiel in die Küche mitgenommen werden kann. Das Rezept erscheint auf dem Bildschirm. Und auf Nachfrage erklärt die Sprachassistenz jeden einzelnen Schritt. Auch Informationen wie etwa Wetterdaten sind abrufbar. Und die Bewohnerinnen und Bewohnern können innerhalb des Hauses per Videoanruf kommunizieren.
Geplant ist, dass das System bald auch als Notrufsystem eingesetzt werden kann. Dann reicht schon das Wort „Hilfe“, damit eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter alarmiert wird. Bislang müssen die Bewohnerinnen und Bewohner noch einen Rufknopf bei sich tragen, um im Notfall Unterstützung bekommen zu können.
Die Technik bietet nicht nur den Bewohnerinnen und Bewohnern mehr Eigenständigkeit. Sie entlastet auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese nutzen auch ein sprachgesteuertes Dokumentationssystem, das Schreibarbeit am Computer spart. „Wir haben dadurch mehr Zeit für die Menschen“, sagt Ortjohann.
Das Projekt in der Einrichtung der Josefsheim gGmbH in Sundern, das die SozialstiftungNRW mit 175.000 Euro fördert, ist Teil des Verbundvorhabens „Assistive Technik im Wohnen in der Eingliederungshilfe
Zum Hintergrund: Verbundvorhaben „Assistive Technik im Wohnen in der Eingliederungshilfe“
Das Verbundvorhaben „Assistive Technik im Wohnen in der Eingliederungshilfe“ ist bundesweit einzigartig. Es erprobt digitale Technologien, die Menschen mit Behinderung mehr Eigenständigkeit ermöglichen und zugleich Pflege- und Assistenzkräfte entlasten. Damit reagiert das Vorhaben sowohl auf die steigenden Anforderungen an mehr Teilhabe und Inklusion als auch auf den Fachkräftemangel. Erprobt werden die neuen technischen Lösungen derzeit in Wohneinrichtungen für Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung von zehn Trägern der Freien Wohlfahrt in Nordkirchen, Ochtrup, Sundern, Mönchengladbach, Euskirchen, Düren, Oberhausen, Gelsenkirchen, Bielefeld, Brakel, Nettetal und Olpe. Insgesamt 1,75 Millionen Euro stellt die Stiftung für die Projekte zur Verfügung.