Der Weltgesundheitstag will Menschen dazu motivieren, mehr für ihre Gesundheit zu tun. Dazu gehört regelmäßige Bewegung. Für Menschen mit komplexer Mehrfach-Behinderung ist das aber kaum möglich. Sie können ihr Bedürfnis nach körperlicher Aktivität oft nicht äußern. Viele von ihnen sind nicht nur bewegungseingeschränkt, sondern können sich auch nicht verbal mitteilen. Zudem gibt es bislang kaum Bewegungsangebote für diese Zielgruppe. Die gesundheitlichen Folgen: Gelenkprobleme, Verspannungen, Herz-Kreislaufprobleme oder erhöhte Infektanfälligkeit. Das Modellprojekt „In Bewegung kommen – in Bewegung bleiben – Bewegungsmöglichkeiten für Menschen mit komplexer Behinderung im Alltag“ der FIBS gGmbH (Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport) entwickelt Lösungen für dieses Problem. Die SozialstiftungNRW fördert das Vorhaben mit 615.000 Euro.
Tagebuch hilft bei der Kommunikation
Die Projektpartner Josefs-Gesellschaft in Bigge im Sauerland und das Diakonische Werk im Kirchenkreis Recklinghausen erproben in ihren Einrichtungen neue Wege, Menschen mit Mehrfachbehinderung Bewegung zu ermöglichen.
Bei der Kommunikation helfen zum Beispiel sogenannte Ich-Tagebücher, wie Dr. Vera Tillmann, wissenschaftliche Leiterin der FIBS gGmbH, erklärt. Darin werden Kommunikationssignale festgehalten, mit denen die Menschen auf ihr Bewegungsbedürfnis aufmerksam machen. Diese Signale entwickeln die Menschen zusammen mit ihren Unterstützerinnen, die sie täglich begleiten. So können die Menschen beispielsweise durch bestimmte Fingerbewegungen oder durch Mimik auf ihren Bewegungsdrang aufmerksam machen.
Innovative Bewegungsangebote
Teil des Projektes ist es auch, passende Bewegungsangebote zu erproben und zu entwickeln. Erfahrungen haben die Projektpartner zum Beispiel mit einem Balancebord gesammelt, auf dem bewegungseingeschränkte Menschen wippen können. Eine an elastischen Gurten aufgehängte Schaukel ermöglicht es Menschen, die ihm Rollstuhl sitzen, auf die Beine zu kommen und dabei zu schaukeln.
Der Weltgesundheitstag wird seit der Gründung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 1948 jedes Jahr am 7. April begangen. Er hat unter anderem zum Ziel, Menschen dazu motivieren, mehr für ihre Gesundheit zu tun.