Endlich ein Zuhause

 Ein Housing-First-Projekt im Kreis Wesel macht wohnungslosen Menschen Hoffnung.

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Frank Ebert* lebte in einer Notunterkunft und hatte kaum Aussicht auf eine eigene Wohnung. Mit Hilfe des Housing-First-Programms des Caritasverbandes für die Dekanate Dinslaken und Wesel wohnt der Mann heute wieder in den eigenen vier Wänden. Die Fördermöglichkeiten der SozialstiftungNRW sind ein Baustein für die Umsetzung des Housing-First-Konzepts der Landesregierung.

Erst verlor Frank Ebert seine Arbeit und dann wurde ihm die Wohnung wegen Eigenbedarfs gekündigt. Im Februar 2025 stand er mit seinen in vier Taschen gepackten Habseligkeiten auf der Straße. „Wenn die Vermieter sahen, dass ich Geld vom Jobcenter bekomme, winkten sie gleich ab“, erinnert der 64-jährige sich an seine erfolglose Wohnungssuche.

Mann steht zwischen Vorhängen an einem Fenster und blickt nach draußen.

Hilfe fand er schließlich bei der Beratungsstelle des Caritasverbandes für die Dekanate Dinslaken und Wesel, die ihn zunächst in einer Notunterkunft unterbrachte.

Trotz der schwierigen Ausgangslage wohnt Frank Ebert heute wieder in seiner eigenen Wohnung, einem 30-Quadratmeter-Apartment in Wesel. „Es ist genau das, was ich brauche“, freut er sich. Seine neue Bleibe verdankt der 64jährige dem

Housing-First-Programm der Caritas. Er ist einer von insgesamt 20 wohnungslosen Menschen, denen die Caritas seit dem Frühjahr 2025 eine eigene Wohnung vermittelte.

Housing First zielt darauf ab, wohnungslosen Menschen in enger Zusammenarbeit mit Vermietern eine dauerhafte Wohnung anzubieten, ohne dass sie Vorbedingungen erfüllen müssen. Zugleich werden den Menschen wohnbegleitende Hilfen angeboten, die sie freiwillig wahrnehmen können. Housing First nimmt vor allem wohnungslose Menschen mit komplexen Problemen in den Blick. Ziel ist es, die Menschen durch eine sichere Wohnsituation gesundheitlich und sozial zu stabilisieren. Studien bescheinigen Housing First dabei eine hohe Erfolgsquote.

Begleitung auch nach Abschluss des Mietvertrags

„Housing First hat viel mit Vertrauensarbeit zu tun, sowohl zu den Klienten als auch zu den Vermietern,“ weiß Laura Kroezemann, die bei der Caritas Ansprechpartnerin für das Programm ist. Der erste Schritt sei, Kontakt zu Vermietern herzustellen und sie auf das Projekt aufmerksam zu machen. Die Sozialpädagogin besucht die Vermieter dann und erklärt, dass die Fachkräfte der Caritas die Menschen auch nach dem Einzug weiter begleiten oder bei Problemen Ansprechpartner sind. Kroezemann unterstützt die Menschen auch bei den Vorbereitungen, etwa bei Anträgen beim Jobcenter oder bei der Suche nach günstigen Möbeln und Einrichtungsgegenständen für die neue Wohnung. Dabei kann die Caritas auf ihr Lager mit gespendeten Möbeln zurückgreifen.

Hand hält einen Schlüsselbund mit Hausanhänger vor einer Haustür.
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Die Caritas konnte im Kreis Wesel nicht nur Wohnungsunternehmen für das Projekt gewinnen. Auch einige private Vermieter stellten Wohnungen zur Verfügung. So war es im Fall von Frank Ebert, der seinen Mietvertrag unterschreiben konnte, nachdem er sich gemeinsam mit Laura Kroezemann bei dem Vermieter vorgestellt hatte. Für ihn war und ist die Begleitung und Beratung durch die Caritas eine entscheidende Hilfe.

„Ich komme nicht gut mit Papieren klar“, räumt er ein. Ein Grund seien psychische Probleme, die ihn seit einem traumatischen Erlebnis in jungen Jahren plagten. Dank der Unterstützung durch das Housing-First-Projekt habe er nun erstmals die Kraft seine Probleme anzugehen und eine Therapie zu beginnen. Eine neue Arbeitsstelle in seinem Beruf als Pferdepfleger werde er wohl angesichts seines Alters nicht mehr finden“, vermutet Ebert. „Aber wir suchen nun zusammen einen Minijob für Herrn Ebert“, sagt Kroezemann. „Hier habe ich Vertrauen und man hilft mir“, sagt Ebert.

Förderungsmöglichkeiten durch die SozialstiftungNRW

Die SozialstiftungNRW fördert das Housing-First-Konzept des Caritasverbandes für die Dekanate Dinslaken und Wesel mit insgesamt knapp 600.000 Euro. Neben einer Anschubfinanzierung für Personal- und Sachausgaben in Höhe von 310.600 Euro umfasst die Förderung auch den Ankauf eines Gebäudes, in dem Wohnungen für wohnungslose Menschen eingerichtet werden.

Die SozialstiftungNRW unterstützt als Landesstiftung die Finanzierung von Housing-First-Projekten durch verschiedene Fördermöglichkeiten. Antragsberechtigt sind Mitglieder eines Spitzenverbandes der Freien Wohlfahrtspflege des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Fördermöglichkeiten der SozialstiftungNRW sind damit ein Baustein des Housing-First-Konzepts der Landesregierung.

*Name geändert